Was tun, wenn du nicht mehr weiter weißt?

Dein Leben soll mit all seinen Möglichkeiten aufblühen? Ja, gern, bitte sofort! Doch oft ist es sehr schwer, sich von all dem abzunabeln, was einem schadet – geschadet hat. Was tun, wenn die Schatten der Vergangenheit einfach nicht weichen wollen?

Warum will es einfach nicht gelingen?

Ich vermute, dass auch du es mehr als einmal versucht hast. Du wirst diesen Prozess wahrscheinlich genauso wenig im stillen Kämmerlein mit dir abmachen, wie andere auch. Aber dann kommt der Moment, in dem du wirklich allein bist.

Er kommt dann, wenn du dich im Kreis drehst und nicht mehr weiter weißt. Wenn du dir jetzt eingestehst: „Ich bin mit meinen Möglichkeiten am Ende“, hast du die große Chance aus dem Schmerz der Vergangenheit aufzuwachen.

Die Zeit heilt nicht alles; aber sie rückt das Unheilbare aus dem Mittelpunkt. Herbert Marcuse

In diesem Moment lässt du all die hoffnungsvoll gestarteten Fehlversuche hinter dir. Auch all die Verzweiflung und das Fragen um tausenderlei Rat, lässt du hinter dir. Warum? Weil es dich (noch) nicht zu deinem Ziel gebracht hat, die Schatten der Vergangenheit zu überwinden.

Was dir als Kind geholfen hat zu überleben, ist nicht das gleiche, was du jetzt für ein gutes Leben brauchst. Damals waren wir abhängig, damals konnte man uns verletzen, ausgrenzen oder Gewalt antun. Heute nicht mehr.

Was geblieben ist, sind die bewussten und unbewussten Erinnerungen an das Grauen. Und jedes Mal, wenn wir uns daran erinnern, ist die Seele erneut erschüttert. Deshalb ist es so wichtig zu wissen, dass es die Gefühle von damals sind, die du heute lediglich wieder erlebst.

Wenn du nicht mehr weiter weißt …

und dich das Grauen, die Ungerechtigkeit, die Kälte von damals überfällt, kneife dir kräftig in den Arm und sage mit klarer, deutlicher Stimme:„Es ist vorbei. Das war damals!“ Es kann sein, dass du dir noch kräftiger in den Arm kneifen musst, bis es bei dir ankommt. Vielleicht musst du das auch öfter wiederholen. Mir hat das sehr geholfen.

Wenn du nicht mehr weiter weißt …

ist der Weg zu Ende. Der alte Weg ist zu Ende, aber nicht dein Leben. Das fängt in diesem Moment vielleicht ganz neu an. Wenn du es jedoch vorziehst zurückzuschauen, siehst du zwar einen Weg … aber der führt dich geradewegs dahin, wo du hergekommen bist.

Wenn du nicht mehr weiter weißt …

mobilisiere deine Kräfte. Frage dich, wozu dein Leben gut ist, was du damit auf die Beine stellen willst. Wem willst du Freude bereiten? Was macht dir Freude, wofür schlägt dein Herz? Wofür bist du dankbar?

“Vielleicht gibt es tatsächlich nichts, was ein Mensch, wenn er all seine Kräfte auf ein einziges Ziel richtet, nicht fertig brächte.” Ogai Mori Rintaro aus “Die Wildgans”

Erinnere dich auch daran, wieviele Menschen es gibt, die dich gern haben. Für wen bist  du wichtig und welche Bedeutung hast du für andere Menschen? Wer würde aus tiefem Herzen weinen, wenn es dich nicht mehr gäbe?

Gib nicht auf …

nach deinem Leben zu suchen, aber suche in der Gegenwart. Nur dann kannst du es auch anpacken und gestalten. Aufzugeben ist immer die schlechtere Alternative, denn es gibt für jeden einen Weg.

Vielleicht brauchst du zunächst sehr viel Ruhe, damit sich deine Kreativität – dein Mut – deine ganze Lust auf Leben entwickeln kann. Dann nimm sie dir.

… damit dein Leben wieder dir gehört!

 

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